Röck Döts
Heavy Metal - Veranstaltungen - Rezensionen - Kritiken.
Die
Visions-Parties stellen oft wild zusammengestellte Line-Ups auf. So
verwundert es kaum, dass die Chartstürmer von RAZORLIGHT heute
mit den britischen Wüstlingen GALLOWS und den schwedischen
Rockern RIVAL SONS auftreten. Doch scheint es, dass die meisten nur
wegen den GALLOWS da sind. Denn in einer kleinen Halle hat man die
Jungs schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Hier war man eh meist als
Support für größere Gruppen unterwegs oder
spielte auf Festivals. Vorband interessiert nicht, also direkt ab zu
den GALLOWS. Keine Absperrung verspricht schon mal ordentlich Action
vor der Bühne. Schon beim ersten Song gibt es kein Halten mehr
vor der Bühne und es entsteht ordentlich Bewegung.
Sänger Frank Carter singt den ersten Song komplett vom
Publikum aus bevor er wieder auf die Bühne geht. Leider aber
scheint irgendwas mit dem Mikro nicht zu stimmen und so hört
man den Gesang kaum. Doch tut dies der Stimmung keinen Abbruch und die
GALLOWS spielen sich durch ein energiegeladenes Set, welches sich vor
allem aus Songs ihres immer noch aktuellen Albums „Grey
Britain“ zusammensetzt, aber auch den Hits vom
Debütalbum „Orchestra Of Wolves“ Platz
einräumt. So wird zum Beispiel „Abandon
Ship“ lauthals mitgesungen wie kaum ein anderer Song des
Abends. Auch schön zu sehen bzw. zu hören ist, dass
man wieder andere Songs mit ins Programm genommen hat als auf der
letzten Festivaltour letzten Sommer. So ertönen auch
„Death Voices“ und „Queensberry
Rules“ heute, bei welchem Sänger Frank Carter durch
das ganze Publikum läuft um auf den Balkon zu kommen, nur um
von diesem wieder ins gut zweieinhalb Meter unter ihm stehende Publikum
zu springen.
Nach einer Stunde ist dann Schluss. Viel mehr wäre bei Band
und Publikum eh nicht mehr gegangen. Nur wenige gehen noch zu
RAZORLIGHT. Obwohl selbst bei den Indie-Rockern relativ wenig Andrag
herrscht, vielleicht weil beide Bands am nächsten Tag umsonst
beim Bonner Festival Rheinkultur spielen. Doch GALLOWS in einem kleinen
Club erlebt zu haben war den Eintritt von stolzen 26 Euro allemal
wert! (Dortmund,
FZW
am 1. Juli 2011)
Gelsenkirchen
Die
Big 4, die großen vier des Thrash Metals, auf einer
Bühne. Vor Jahren schien dies noch undenkbar zu sein, doch
seit diversen Auftritten letztes Jahr zeigen sich die Musiker gemeinsam
auf Fotos und loben die Arbeit des anderen. Die vier Großen
spielen ihr einziges Deutschlandkonzert in Gelsenkirchen und
natürlich herrscht großer Andrang bis es am Ende
heißt, dass die Show ausverkauft ist.
Schon vor Beginn reihen sich 52.000 Metalheads in Schlangen ein um gute
Plätze zu bekommen, wer Sitzplätze hat geht die ganze
Sache natürlich was lockerer an. Als ANTHRAX ihr Set beginnen
ist die Arena noch etwas spärlich besucht, allerdings ist
dieses spärliche bei insgesamt 52.000 Besuchern immer noch
mehr als die meisten Bands je vor spielen werden. Schade bei ANTHRAX
ist, dass ihr Gitarrist Scott Ian fehlt. Ersetzt wird dieser durch
SEPULTURA-Axtmann Andreas Kisser. Sänger Joey Belladonna und
seine Truppe setzten voll und ganz auf eine Setlist mit ihren Klassikrn
aus den 80ern wie „Indians“, „Caught In A
Mosh“ oder „Antisocial“. Doch auch der
neue Song „Fight Em Till You Can’t“ vom
bald erscheinenden Album „Worship Music“ kommt zum
Einsatz. Nach gut 45 Minuten ist das Schluss mit dem ersten Auftritt,
welcher leider etwas unter schlechtem Sound litt. Und dieser wird bei
den nachfolgenden MEGADETH nicht gerade besser. Im Gegenteil:
Während den ersten beiden Songs ist der Sound, der die Veltins
Arena beschallt noch schlechter als bei ANTHRAX. Man kann kaum die
Songs erkennen, doch als „Hanger 18“ als drittes
Lied ertönt wird der Klang zum Glück besser. MEGADETH
spielen sich ordentlich durch ihr Set, wirken aber etwas
schläfrig und so wird sich kaum bewegt. Wenn Dave Mustaine
eine Runde über die Bühne läuft ist dies
meist das höchste der Gefühle. Dennoch rein
songtechnisch und spielerisch legt die Gruppe einen mehr als
ordentlichen Auftritt hin. Allerdings können SLAYER das noch
besser. Obwohl man auch hier statt mit Gitarrist Jeff Hannemann mit
EXODUS-Gitarristen Garry Holt auskommen muss. SLAYER bieten trotzdem
eine erstklassige Show mit einer sehr guten Setlist, die Klassiker und
neuere Songs wie „Snuf“ verbindet. Bei den
Thrash-Helden geht bisher auch am meisten beim Publikum. Viele kleine
Moshpits entstehen und auch auf den Rängen stehen die meisten
Fans schon und recken ihre Fäuste hoch zu Tracks wie
„War Ensemble“ oder „South Of
Heaven“. Leider spielt die Band nur gute 55 Minuten und so
werden sicherlich von jedem ein, zwei Songs schmerzlich vermisst.
Bisher aber haben SLAYER den besten Auftritt hingelegt. Doch kommen
noch METALLICA. Schon beim obligatorischen Intro raunt großer
Jubel durch die Arena. Als dann der Opener „Hit The
Lights“ vom Debütalbum „Kill Em
All“ gibt es kein Halten mehr und die Menge rastet
aus. Das Publikum übertönt fast die Band, welche
heute in sehr guter Form ist und ein Best-of-Set vor dem Herren
liefert. Man konzentriert sich fast ausschließlich auf die
ersten fünf Alben. Mir „All Nightmare
Long“ gibt es aber einen Song vom aktuellen Album
„Death Magnetic“, sowie mit „The Memory
Remains“ ein Stück von „Reload“.
Übringens
Der Sound bei
METALLICA ist wesentlich besser als bei den vorigen
Bands. Ebenso fährt die erfolgreichste Metal-Band aller Zeiten
auch
ordentlich Pyros, Feuer und Feuerwerkskörper auf um
Gelsenkirchen
ordentlich einzuheizen. Nach dem grandiosen „Fade
To Black“ und
„Enter Sandman“ ist dann ersteinmal Schluss. Bevor
die Mitglieder von
METALLICA, MEGADETH und ANTHRAX auf die Bühne kommen und den
DIAMOND
HEAD-Klassiker „Helpless“ zum besten geben. Nach
zwei weiteren
METALLICA-Songs ist dann Schluss nach den letzten Tönen von
„Battery“. Insgesamt
war The Big Four ein sehr gutes Konzert, welches leider unter nicht
ganz optimalem Sound und katastrophaler Organisation bei den
Getränken
litt. (Gelsenkirchen,
Veltins Arena
am 2. Juli 2011)
Dortmund
Die Amis von The Carrier und die britischen Dead Swans touren Ende 09/Anfang 2010 durch Europa. Ein Halt in NRW war eigentlich nicht vorgesehen und so wurde eher kurzfristig ein Konzert in Dortmund bekannt gegeben, was erklärt warum nur gute 60 Leute anwesend sind. Das fand im eher kleinen Spirit Club statt, der sicherlich auch schon bessere Tage gesehen hat. Anders ist die Abzocke nicht zu erklären, dass man eigentlich von 10€ Eintritt im VVK spricht, an der Abendkasse dann 16€ verlangt, was sicherlich noch im Rahmen gewesen wär, aber dann noch einen Mindestverzehr von 3€ aufschlägt. Nun gut, man will ja die Dead Swans sehen... Doch bevor die Briten an der Reihe sind steht eine deutsche Band auf der Bühne. Wie die heißt? Nun, das sagen sie nicht mal selber, was schon mal ziemlich anti-kommerziell ist. Doch schon nach den ersten sechseinhalb Takten muss man pausieren, weil eine Gitarrensaite reißt. Der Sound ist auch nicht wirklich Bombe. Eher unwitzige Ansagen paaren sich mit eher durchschnittlichem düsten Hardcore, wie er gerade angesagt ist. Tight wirkt die Band auch nicht, aber man habe es hier ja eher mit der ersten Probe seit Monaten zu tun als mit einem Konzert, nach eigener Aussage. Nun gut, nach 25 Minuten ist dann endlich Schluss. Dann kommen die englischen Dead Swans endlich auf die Bühne und beginnen mit dem Opener der neuen Platte „Thining Of You“. Leider geht vor der Bühne absolut gar nichts und der Großteil der Anwesenden sitzt lieber an der Bar. Dafür merkt man, dass vor allem die Mädels hier nach vorne kommen. Die Truppe selber wirkt auch etwas angeschlagen und fertig legt trotzdem eine gute Show hin sofern die sehr kleine Bühne das erlaubt. Geboten wird ein guter Schnitt aus der „Southern Blue EP“ und dem Debütalbum „Sleepwalkers“. Doch leider fehlt wieder „Ivy Archway“. Doch viel trauriger ist, dass diese absolut großartige Band in Deutschland zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Sieht man Fotos und Videos aus dem UK, Frankreich oder gar Österreich geht viel mehr als hier. So bleiben die Dead Swans (bisher) nur ein Geheimtipp was Hardcore angeht. The Carrier haben da schon einen besseren Stand und ungefähr zwei-drittel des Ladens stehen vor der Bühne und feiern die Band ab. Mir selber ist das zu unauthentisch. Kids, die aussehen als ob sie viel eher Tough Guy Hardcore der Marke Terror oder Madball machen wollen singen über Herzschmerz und machen düsteren, melodischen Hardcore. Dennoch wirklich schlecht ist die Musik nicht und die Meute vor und auf der Bühne scheint ordentlich Spaß zu haben. Ich selber gebe mir das lieber von hinten und nach 30 Minuten ist auch schon Schluss. Band des Abends war für mich trotz lascher Publikumsreaktion Dead Swans. Und irgendwann geht bei denen genauso viel wie bei The Carrier heute. (Dortmund, Spirit am 5th Jan 2010)
Düsseldorf
Die Arctic Monkeys zählen zu den ganz großen der europäischen Indie-Szene. Ihr Debüt gehört zu den erfolgreichsten Alben in Großbritannien überhaupt! Mit ihrem bereits dritten Album „Humbug“ hat sich die Band aber vom rotzigen Sound der ersten beiden Alben entfernt und schlägt nun ruhigere Töne an, die mehr den Flair der 70er versprühen. Wie sich das wohl live anhört im Vergleich zu den härteren ersten Sachen? Doch bevor diese Frage beantwortet wird muss man erst einmal The Misery Jets über sich ergehen lassen. Die Phillipshalle ist schon gut gefüllt als die Band ihr Set beginnt. Wirklich viel geht hier aber nicht. Die Musik klingt ziemlich Beatles-like und ist nicht wirklich besonders. Dies scheinen auch viele Anwesende zu denken. Vor der Bühne geht kaum was, der Applaus ist eher verhalten und im Vorraum tummeln sich auch noch einige Leute. Nach 35 Minuten ist dann aber endlich Schluss. Eine geschlagene halbe Stunde lassen die Arctic Monkeys auf sich warten. Sie starten ruhig mit „Dirty Little Liar“ vom aktuellen Album „Humbug“. Noch ist die Halle relativ verhalten. Zwar hüpfen schon vereinzelt Fans durch die Gegend doch wirklich los geht es erst mit dem krachenden Opener vom 2007er Album „Favorite Worst Nightmare“ „Brainstorm“. Ab hier gehört das Publikum voll und ganz den Musikern. Nur leider bewegen die sich etwas wenig. Macht aber nicht so viel, da die Lichtshow mehr als schön ist und die Monitore an den beiden Bühnenseiten auch was hermachen. Die Arctic Monkeys spielen einen guten Querschnitt aus ihren drei Alben die keinen Hit auslassen. „The View from The Afternoon“ fehlt genauso wenig wie „Crying Lightning“ vom letzten Album oder „I Bet You Look Good On The Dancefloor“ und „You Probably Couldn't See For The Lights But You Were Staring Straight At Me“.. Alles in allem fügen sich die neuen Songs gut ins Programm der Indie Rocker ein. Beklagen dürfte sich so gut wie niemand bei einer Spielzeit von 70 Minuten. (Düsseldorf, Phillipshalle am 10th Feb 2010)
Bochum
Das diesjährige Bochum Total ist vom Wetter her ein totaler Reinfall. Es ist kalt und es regnet. Dafür bietet man musikalisch viel gutes wie CASPER, JUPITER JONES, FRIDA GOLD oder KETTCAR, welche der diesjährige Headliner sind. Sonntag Abend gegen 20.45 ist es ziemlich leer vor der 1Live-Bühne verglichen mit dem Menschenaufgebot welches letztes Jahr bei MADSEN anwesend war. Dies liegt aber sicherlich am Wetter. Es regnet in Strömen und ist dann auch noch herbstlich kalt. Von Sommer, Rock und guter Laune bleibt nur der Rock und etwas gute Laune als die Hamburger von KETTCAR die Bühne betreten. Der deutschsprachige Indie-Rock, welcher sich stark am Brit Pop und Bands wie OASIS aber auch amerikanischen Indie-Helden wie DEATH CAB FOR CUTIE orientiert, kommt gut an beim Publikum. Allerdings ist es einfach viel zu kalt, dass groß Bewegung aufkommt. Die meisten Fans sind zu beschäftigt ihren Regenschirm zu halten. KETTCAR agieren ordentlich eingespielt auf der Bühne. Große Patzer fallen einem nicht auf und Spaß scheint die Truppe auch noch zu haben. Mit „Deiche Brechen“ starten die Hamburger in ihr Set und bieten dann das Beste ihrer drei bisherigen Platten. Egal ob das großartige „Nullnummernspiel“ von ihrer immer noch aktuellen CD „Sylt“ oder ältere Publikumsfavoriten wie „Balloo“, welches laut Aussage der Band die Frauen lieben und die Männer hassen, weil es ein ruhiger Songs ist. Auch zwei neue Tracks finden ihren Weg in die Setlist und bieten einen ersten Vorgeschmack auf das bald erscheinende vierte Werk der Gruppe. Beide tönen ziemlich gut, vor allem das ruhige „4:26“. Natürlich bleibt hier die Publikumsreaktion recht verhalten, da beide Songs nahezu unbekannt für das Publikum sind. Nach guten 75 Minuten um punkt 22 Uhr ist dann Schluss mit KETTCAR, welche versucht haben die Leute trotz Wind, Kälte und Regen zu unterhalten. Geschafft haben sie dies und es ist klar, warum KETTCAR zu Spitze der deutschen Musikszene gehören. (Bochum;Bermunda Dreieck am 24th Juli 2011)
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