Location: Colosseum Theater, Essen
Datum: 24.11.2014

Morrissey und Vorband ANNA CALVI

Morrissey (2014) Im Vorfeld des Konzerts von MORRISSEY war ich etwas aufgeregt, ob die Ikone überhaupt auftreten wird. Die US-Touren dieses und letzten Jahres litten unter ständigen Absagen und Verschiebungen. Wie sich heraus stellte lag dies an der Krebserkrankung des ehemaligen Sängers der Indie-Legende THE SMITHS. Doch scheinbar soll dem heutigen Konzert nichts im Wege stehen. MORRISSEY hat sich für sein Konzert in Essen das sehr schöne und edle Colosseum Theater ausgesucht. Rote Teppiche und eine sehr elegante Architektur zeichnen die Location aus. Das bedeutet zudem auch, dass das komplette Konzert bestuhlt ist und somit auch für eingestandene Konzertgänger eine etwas neue Erfahrung darstellt. Obwohl ich die 71,50 Euro teuren Karten so gebucht habe, dass wir mittig und am Gang sitzen, wird daraus nichts, da man den Mittelgang scheinbar ebenfalls mit Stühlen zugepflastert hat. Dadurch kann ich die Vorband ANNA CALVI nicht sehen, da es mir unmöglich scheint mich ohne Anfeindungen und Wutausbrüche an gut 25 Leuten durch die Stuhlreihe zu schieben.
Somit ist wieder Im Foyer warten angesagt. Beim Warten lässt sich ja bekanntlich sehr gut umschauen und so erblicke ich eigentlich nur Leute, die besonders schick angezogen sind. Das Hemd gehört zum guten Ton. Allerdings ist auch eine Kombination mit Sakko nicht ungewöhnlich. Erstaunt bin ich auch, dass verhältnismäßig wenig junge Leute anwesend sind. Ich habe ehrlich gesagt einen Haufen Hipster erwartet, die mit ihren Peta-Jutebeuteln umherwandern, doch der Großteil der Anwesenden ist eher 35+.
In der Umbaupause gibt es auf einer riesigen Leinwand eine Collage aus Musik- und Kabarettauftritten der 70er Jahre zu sehen. Um Punkt 21 Uhr geht das Licht aus und MORRISSEY und seine Band betreten die Bühne. Mit 'Suedehead' eröffnet der Großmeister mit einem seiner größten Solohits das Programm. Der Sound ist extrem gut und MORRISSEY klingt live genauso stark wie auf Platte. Ich hätte eigentlich nicht erwartet, dass der Sänger live noch dermaßen stark klingt und so ziemlich jeden Ton trifft. Auch seine adrett gekleidete Band macht eine gute Figur, hält sich aber hinter Mozzar etwas zurück. Dennoch gibt der SMITHS-Sänger seinen Musikern genug Platz im Rampenlicht zu stehen. Besonders Keyboarder Gustavo Manzur überzeugt durch seine musikalische Versiertheit. Neben dem Keyboard beherrscht er noch die Trompete und die Zita.
Hauptaugenmerk der Setlist liegt auf dem aktuellen Album "World Peace Is None Of Your Business", allerdings überrascht MORRISSEY damit, dass er mit 'Scandinavia' und 'One of Our Own', welches live ein wirklich beachtlicher Song ist während die Studioversion etwas dahinplätschert, zwei der Bonustracks spielt, die sicherlich nicht jeder Fan kennt. Sonst kann er es eh niemanden so wirklich recht machen. Von den Alben "Kill Uncle", "Southpaw Grammer", "You're The Quarry" und "Ringleaders of the Tormentors" gibt es am heutigen Abend keine Songs. Von den anderen Alben jeweils einen. Auch mit Songs von THE SMITHS hält sich MORRISSEY zurück und bietet lediglich 'The Queen Is Dead', 'How Soon Is Now?' sowie 'Meat Is Murder', dem eine Rede über Thanksgiving ("Thanks-killing") vorangeht und welches durch ein Video über Massentierhaltung und Tierschlachtung begleitet wird. Dadurch rückt der Song etwas in den Hintergrund, was aber gar nicht so schlimm ist, da die Version langsamer ist als das Original und etwas in die Länge gezogen wird.
Der "Vauxhal & I"-Knaller 'Speedway' beendet das reguläre Set von MORRISSEY. Doch wenige Momente später betritt die Band erneut die Bühne und verbeugt sich erst einmal vor dem restlos ausverkauften Colosseum. Als die ersten Töne von 'Everyday Is Sunday' ertönen stürmen ein paar Fans die Bühne, um ihrem Idol nahe zu sein. Jedoch hat diese kurzzeitige Eskalation den Abbruch des Konzerts zur Folge. Ich hoffe, dass es sich für die Chaoten wenigstens gelohnt hat und man den restlichen 1500 Fans nicht umsonst den Spaß nach grandiosen 85 Minuten verkürzt hat. Denn bis zu diesem Zeitpunkt handelte es sich um das Konzert des Jahres. Und wenn der erste Ärger über die Idioten verflogen ist, wird diese Show sicherlich auch mein Konzerthighlight 2014 darstellen.