Location: Palladium, Köln
Datum: 19.12.2014

Parkway Drive und Heaven Shall Burn mit Northlane und Carnifex

Parkway Drive und Heaven Shall Burn mit Northlane und Carnifex (2014) Ich habe gelernt, dass ein Konzertbericht eine Einleitung braucht. Doch kann man bei HEAVEN SHALL BURN und PARKWAY DRIVE noch groß irgendetwas Neues schreiben? Die beiden Gruppen spielen eigentlich ständig an irgendeiner Steckdose in deiner Nähe, so dass man sich die einleitenden Worte wohl ausnahmsweise schenken darf.

Den Einstieg im ausverkauften Palladium macht CARNIFEX. Mit Grauen erinnere ich mich noch an frühere Shows der Band zurück: Pit-Gemetzel während der Breakdowns und hoffnungslosahnungslose Karate-Kids, gerne gepaart mit verwirrtem Blick, bei den schnellen Parts. Wie man sich bei schnellen Songteilen verhält hat das "How To Mosh"-YouTube-Video wohl nicht gezeigt. Na ja, all das ist bestimmt schon sechs Jahre her und CARNIFEX legt den Fokus nicht mehr so stark auf stupide Moshaction. Glaube ich zumindest. Ich kann die Songs wegen des schlechten Sounds nur erahnen und muss anhand des Headbangens der Musiker rausfinden, wie schnell der jeweilige Part gerade sein könnte. Laut Rotorheadbanging setzt man wohl eher wenig auf Breakdowns, doch übernehme ich für die Aussage keine Gewähr. Die Truppe wirkt spielfreudig, doch kommt bei mir außer Gewumme leider nur wenig an. Für einen kleinen Pit im vorderen Hallendrittel reicht es dennoch.
Bei NORTHLANE ist der Sound etwas besser, doch trotzdem fällt es mir schwer, einzelne Songs zu erkennen. Das nicht einmal 25 Minuten lange Set auf dieser Tour ist die erste Live-Kostprobe mit dem neuen Sänger Marcus Bridge. Die Australier und ihr atmosphärisch dichter sowie technisch anspruchsvoller Metalcore kommt bei den Leuten gut an. Allerdings muss ich sagen, dass mir die Show im April, als man für ARCHITECTS den Support gab, besser gefallen hat. Vorgänger Adrian Fitipaldes war ein etwas agilerer Frontmann, der ordentlich Druck machen konnte und stets in Bewegung war. Der Neuzugang ist noch etwas zaghaft, versucht dafür mit Stimmvielfalt zu überzeugen und singt so manchen Part einfach klar, trifft dabei leider nicht jeden Ton. Da muss der Mann live noch etwas mehr Erfahrung sammeln und mehr aus sich rausgehen. Bei der neuen Single 'Rot', die auch heute gespielt wird, klingt Bridge nämlich sehr gut. Nach einer etwa halbstündigen Umbaupause gehen die Hallenlichter aus und HEAVEN SHALL BURN betreten das erste Mal die Bühne. Ich muss gestehen, dass mich die Band nach "Deaf To Our Prayers" eigentlich nicht mehr so interessiert hat. Daher freue ich mich darüber, dass man mit der "Antigone"-Nummer 'Voice of the Voiceless' loslegt. Optisches Highlight ist mal wieder Gitarrist Mail Weichert, der in seinem schwarzen Kurzarm-Hemd aussieht wie der spießigste Lehrer. Sänger Marcus Bischoff ist mir auch nach zehn Konzerten nicht wirklich sympathisch und stimmlich ist er noch genau auf dem Level von 2006. Musikalisch kann ich mittlerweile nicht mehr mitreden, da mich die letzten drei Alben einfach nicht mehr interessiert haben. Kurz: Den Hype um diese Band werde ich wohl nie verstehen. Das erste Set der Ostdeutschen ist dennoch ganz passabel. Besonders das EDGE OF SANITYCover 'Black Tears' kann gefallen, was allerdings nicht unbedingt an HEAVEN SHALL BURN liegt, sondern an der saustarken Vorlage des schwedischen Originals. Da der Abend laut Sänger Bischoff etwas ganz Besonderes ist, beendet man das erste Set mit einem Cover des PARKWAY DRIVE-Songs 'Unrest'. Bis ich geschnallt habe, dass es sich um einen Coversong handelt, braucht es die halbe Nummer, weil der Soundmann selbst bei den Headlinern für keinen idealen Sound sorgt. Das soll sich den Abend über auch nicht bessern.
Ohne Umbaupause folgt PARKWAY DRIVE. Auch da kann ich den Hype nicht ganz verstehen, jedoch sagt mir die Musik trotzdem mehr zu als die von HEAVEN SHALL BURN. Schade nur, dass man jetzt seit Jahren mit quasi der gleichen Setlist durch die Weltgeschichte tourt. Ein bisschen Abwechslung könnte da doch wohl mal drin sein. Mal eine Überraschung vielleicht. Scheinbar vergisst die Band selber, dass sie eine EP und zwei Alben vor "Deep Blue" und "Atlas" veröffentlicht hat. Set 1 besteht jedenfalls, bis auf das 'The Weapon They Fear'-Cover, ausschließlich aus Nummern dieser beiden Alben, die man live wohl in der Reihenfolge schon das eine oder andere Mal gehört zu haben meint. Allerdings kann man den Jungs nicht allzu böse sein, da sie sich sehr ins Zeug legen. Besonders der sympathische Sänger Winston McCall ist live ein Tier und setzt seine Shouts on stage sehr gut um. Dann geht es weiter mit HEAVEN SHALL BURN. Set 2 scheint etwas old-schooliger auszufallen. 'Behind A Wall of Silence' und 'The Worlds In Me' sind zwei alte Perlen von dem etwas unterschätzten Album "Whatever It May Take". Gegen 'Counterweight' habe ich auch absolut nichts einzuwenden. Ich muss gestehen, dass die Unterbrechung den Gig von HEAVEN SHALL BURN für mich erträglicher macht. 'Endzeit', der für mich letzte gute Song der Band, beendet dann den gesamten Auftritt der deutschen Melo-Deather. Und mir bleibt zu sagen, dass es zwar irgendwie nett war, die Band mal wieder live gesehen zu haben, aber wirklich etwas verpasst habe ich die letzten Jahre nicht. Dennoch ist es unfassbar, wie groß die Gruppe geworden ist. Als ich anfing auf Konzerte zu gehen, habe ich die Band noch vor etwa 300 Leuten im Kölner Underground gesehen oder am frühen Nachmittag auf Festivals. Heute hat man den Headlinerstatus inne. Dann geht es die Zielgerade zu. PARKWAY DRIVE setzt im zweiten Set deutlich auf die Hits. Mit 'Dark Days' legt man los und endet energiereiche 30 Minuten später bei dem obligatorischen "Horizons"-Smasher 'Carrion'. Zwischendrin gibt es natürlich noch ein 'Romance Is Dead' auf die Ohren und wieder ein paar Songs von "Atlas" und "Deep Blue". Das Set hat man halt leider schon ein paar Mal so oder ziemlich ähnlich erlebt. Die Australier müssen definitiv etwas mehr Abwechslung reinbringen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Split-Set-Verfahren gut finden soll oder nicht. Wohl eher nicht. Es nimmt beiden Bands irgendwie etwas Wind aus den Segeln und mehr als zwei Stunden Dauerbeschallung von Bands, die einen recht gleichförmigen Songkatalog haben, ist nicht gerade förderlich. Ich persönlich hätte zwei reguläre Sets wohl befürwortet, auch wenn zumindest HEAVEN SHALL BURN durch die Unterbrechung etwas eher punkten konnten.